Raus aus dem Nest - endlich in die eigene Wohnung!

By Karin Gössler on 29-12-2015
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Jeder kennt es, Dinge die man erst realisiert, wenn man von zu Hause ausgezogen ist und man endlich auf eigenen Füßen steht. Doch so schön hört es sich nur auf den ersten Blick an. Für alle die noch im Hotel Mama wohnen AUFGEPASST!


Schon die Suche für die Wohnung ist sehr mühsam. Man opfert all seine Zeit in das Durchforsten von Internetplattformen oder Zeitungen. Nun endlich hat man sie gefunden. DIE WOHNUNG. Den Mietvertrag in der Tasche rennt man als erstes zum Möbelhaus. Das ganze Ersparte wird ausgegeben um endlich ein eigenes Kingsize Bett zu haben oder die lang ersehnte Ledercouch. Den Flat Screen baut man vom Kinderzimmer ab und in die neuen heiligen vier Wände ein. Der Kombi bekommt eine Tieferlegung, denn es hat alles im Auto Platz. Egal ob man dann noch aus dem Fenster sehen kann! Fleißige Helfer sind immer an deiner Seite: Mama hängt Vorhänge auf (um es heimelig zu machen), Papa montiert den Kasten und baut das Bett zusammen, Freunde kommen mit Sekt und Bier.

Wohnung:  Check!
Möbel:  Check!
Endlich ein eigenständiges Leben … oder?!   

Und jetzt kommt das Grauen. Nicht mehr viel Geld auf dem Konto und man bekommt Hunger. Um Frustration zu vermeiden, wird der Kühlschrank gar nicht erst geöffnet. Denn wir wissen alle das sich, außer dem Licht, nichts darin befindet..

Die erste Nacht in der eigenen Wohnung war sehr schön, aber auch unheimlich. Diese Stille. Keine Geräusche aus der Küche, wenn der Papa etwas zu Essen sucht, keine Toilettengeräusche. Nichts. Auch der Gang zum Klo frustriete noch mehr. Kein Klopapier. Fuck! Es fehlt die „Grundausstattung“. Nach einem kurzen Telefonat mit Mama, war das Einkaufen gesichert. Sie musste ja wissen was man fürs Erste braucht. Neben Putzlappen, Eimer und Geschirrspültabs landete auch das heißersehnte Klopapier im Einkaufswagen. Grundausstattung für Nahrung sind keine Fertiggerichte wenn man die eigene Mama mitnimmt(!!), denn die legt dir Mehl, Butter, Eier und solche Lebensmittel in den Wagen „weil früher hat man auch alles selber gemacht“. Nur dass früher die Menschheit nicht stundenlang lernen musste und man hundemüde nach Hause kam um endlich etwas Essen zu können. Nein da konnte man die Pizza selbst machen, hatte Zeit dass der Teig 30 Minuten „geht“. In dieser Zeit hatte ich bereits die Fertigpizza gegessen. An der Kasse schnürte es mir die Luft zusammen, als ich die Summe sah. Hotel Mama übernahm das. Ich war dankbar. So viel Stress um endlich alleine zu sein und in der ersten Notlage rannte ich direkt zur Mama. Die ganzen Tüten in die Dachgeschosswohnung zu schleppen, machte es auch nicht besser. Schon beim Siedeln schwitzte ich die ganzen Stufen hinauf, dachte aber zunächst an „Siedeln kommt nicht täglich vor“. Zurück in die Realität musste ich feststellen, dass der Einkauf auch in die Wohnung muss. Stilvoller Altbau, natürlich ohne Lift. So sparte ich mir wenigstens das Fitnessstudio. Wo andere 50 EUR monatlich an Teilnehmergebühren bezahlen, brauche ich nur eine große Ration an Lebensmitteln einkaufen und diese hoch schleppen. Das ist gut für Bauch Beine Po. Mit der Grundausstattung ging es mir schon wesentlich besser. Nun musste nur noch darauf geachtet werden, dass alle Utensilien wieder aufgefüllt werden, bevor sie leer werden oder ausgehen. Das konnte nicht allzu schwer sein.

Die Fixkosten betrugen im Moment: Miete und BK, Strom, Telefon, Internet, Versicherung. Dazu kamen die wöchentlichen Einkäufe für das Essen. Ständig ist das Geld knapp, weil man sich verkalkuliert hat. Ausgehen und einen Draufmachen wird selten, da man lieber auf andere Sachen spart. Da es noch viel besser kommt, klopfte es an einem Montag (everybody hate Mondays) um acht Uhr abends an der Tür. Der liebe Mann von der GIS stand vor mir. Da es keine Reaktion auf die Briefe gab (Hoppla) kam er direkt mal vorbei. Fand ich überaus nett von ihm. So gab ich ihm meine Kontonummer und damit auch das OK mich noch ärmer zu machen. Keine 14 Tage später waren weitere 50 EUR futsch. 
  

Die Tage und Wochen vergingen und ich konnte mit der neuen Situation gut umgehen. Zwar war es finanziell immer eng, dennoch konnte ich kommen und gehen wann ich wollte. Hotel Mama verdonnerte ständig zum Aufräumen. In meinen eigenen vier Wänden machte ich das automatisch. Man wird erwachsen und steht auf den eigenen Füßen. Muss selbst kochen, selbst putzen, selbst bügeln. Auch wer faul ist schafft es. Das habe ich bewiesen. Man kann alles lernen, (ja auch bügeln) insofern man an sich glaubt, den Schritt wagt und die Veränderung zulässt.


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