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Am Beginn des Studiums zieht es viele Menschen von daheim weg. Raus aus dem Haus der Eltern, weg von Freunden und Verwandten, weg von den vertrauten Wegen hinein in ein neues Abenteuer an einem neuen Ort. Für viele ist es der erste Umzug überhaupt – was das Ganze jedoch umso aufregender macht. Schließlich will man endlich selbstständig, endlich erwachsen sein. Aber wovon man sich räumlich so ohne weiteres trennt, kann man sich emotional oft weniger leicht lösen – und es fehlt.

Den Wurzeln treu bleiben

Auch mir war nach der Schule klar, dass ich aus dem kleinen Salzburg hinaus und in eine größere Stadt ziehen will. Da hat sich Wien natürlich angeboten – nicht zu weit weg, aber doch um einiges größer, aufregender, besser. Und ja, ich liebe Wien und ich liebe die Selbstständigkeit. Natürlich kann „Adulting“ manchmal auch etwas zu viel werden. Keiner putzt gern in der Prüfungsphase die Wohnung oder entfernt die abendliche Toilette der Katze. Und keiner überweist gerne hohe Mietbeträge und Arztrechnungen. Aber irgendwie fühlt es sich nur halb so schlimm an, weil es sich um einen Neuanfang handelt – den ersten Neuanfang alleine. Denn dann schwingt mit all diesen kleinen Dingen das Gefühl der Autonomie, des Erwachsenwerdens mit.

Doch mit der Zeit bemerkt man, dass man sich doch nicht so recht erwachsen fühlt. Man ist schließlich noch nirgends angekommen – in keinem Job, an keinem fixen Wohnort, mit keinem fixen Partner… Das Studium kann einem nicht immer die Struktur geben, wie es die Schule getan hat oder ein Beruf machen würde. Und sich selbst an einen Tagesplan zu halten, wenn man das nicht muss, ist um einiges schwerer als gedacht. Und dann ertappt man sich manchmal doch bei dem Gedanken, wie schön es daheim doch war. Man schwelgt in Erinnerungen an die Schulzeit, an das unbeschwerte Feiern mit 17 (mitsamt dem nicht-ganz-legalen und übermäßigen Tequila Konsum), das Gefühl der Sicherheit bei den Eltern und die Leichtigkeit, mit der man in den Tag hineingelebt hat. Es ist eine seltsame Melancholie, die sich in diesen Momenten einschleicht – nicht wirklich Heimweh, nicht wirklich Angst. Vielmehr geht es darum, dass man spürt, wie etwas zu Ende geht. Die Persönlichkeits-Metamorphose der frühen 20er ist nichts für schwache Nerven und je weiter man von daheim weg ist, desto mehr Herausforderungen kann sie mit sich bringen. Und als wäre man nicht schon genug durcheinander und hätte nicht ohnehin jede Menge um die Ohren, muss man dann auch noch versuchen, den Kontakt zu den Lieben daheim nicht zu verlieren. Immer mehr Angst entwickelt sich, lässt man doch so einen großen Teil von sich selbst los und will nicht auch noch diejenigen loslassen, die zu einem selbst gehören.

Der Kontakt zu den Freundinnen zuhause fühlt sich wie ein sicherer Hafen, ein Zurückkehren ins Altbekannte und Wohlige an. Schließlich kennen diese Menschen einen schon seit Jahren – sie wissen, was einem Freude macht, worüber man sich den Kopf zerbricht und welchen Alkohol man am schlechtesten verträgt. Sie kennen einen in eben jenen Momenten des frühen Erwachsenenalters, in denen man sich selbst nicht mehr zu kennen scheint. Und genau deshalb kann es manchmal sehr hart sein, von ihnen getrennt zu sein. In einer großen Stadt, an die man durch Verpflichtungen gebunden ist und von der man nicht einfach so abhauen kann. Wie steht man diese Entfernung also durch? Man schreibt über Whatsapp, man telefoniert und schickt wunderschöne Grimassen auf Snapchat. Einfach nur um zu sagen: „Hey, ich bin auch noch da, vergesst mich nicht. Ich vermisse euch.“ Aber natürlich sagt man das nicht immer so direkt. Und so praktisch Whatsapp erscheinen mag, seien wir uns mal ehrlich: Es ist ein hinterhältiger Nährboden für Missverständnisse. Und man will einfach nicht missverstanden werden, wenn man doch selbst schon ganz verwirrt ist.

Aufrechterhalten von Kontakt

Also scheint das Aufrechterhalten des Kontakts manchmal allzu aufwendige Arbeit zu sein. Zusätzlicher Druck neben Uni-Stress und dem kläglichen Versuch, regelmäßig den Müll rauszubringen und zumindest den Schein eines Erwachsenen zu wahren. Aber Freundschaft ist nie umsonst. Der entscheidende Schlüssel ist ganz einfach die Kommunikation. Es kann uns so schwerfallen, unsere Gefühle auszudrücken, obwohl sich das Gegenüber häufig genau das wünscht. Wenn beide Seiten sich Mühe geben, beide kommunizieren, dass es sich bei der jeweils anderen Person um eine Priorität handelt und das auch wirklich so empfinden, dann zahlt sich die „Arbeit“ immer aus. Denn wer hat schon gesagt, Beziehungen seien einfach? Sie sind nicht immer einfach, aber sie können das Schönste auf der Welt sein. Und so kann Freundschaft jede Zeitspanne und jede Distanz überdauern, solang man nur weiß, wie viel man einander bedeutet.

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