How to – Fernbeziehungen während einem Auslandssemester

By Kathy Z. on 09-08-2017
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Auslandssemester sind zum Partymachen da. Punkt.

Neben „Solange-die-anderen-noch-nicht-angefangen-haben-zu-lernen-bin-ich-noch-gut-in-der-Zeit“ scheint das wohl eine der bekanntesten Weisheiten unter Studierenden zu sein, wie ich selbst vor Antritt meines Auslandssemesters erfahren habe. Denn eine der mir am häufigsten gestellten Fragen war „Und, was sagt eigentlich dein Freund dazu?“

Tatsächlich war er anfangs nicht gerade begeistert von meiner Entscheidung, für eine Weile das Land zu verlassen. Die oben erwähnte ungeschriebene Regel, dass Auslandssemester mit einem Freiticket sich durch die Gegend schlafen zu können gleichzusetzen sind, die an mir ehrlich gesagt ziemlich vorbeigegangen war, hatte sich in seinem Kopf so tief festgesetzt, dass er meine bevorstehende Reise automatisch als das Ende unserer damals einjährigen Beziehung wahrnahm. Obwohl ich es mit ein bisschen Überredungskunst und logischer Argumentation schaffte, ihn von dieser (meines Erachtens absurden) Annahme loszukriegen, sodass er meine Entscheidung letztendlich sogar voll unterstützte, kann ich ihm seine Sorgen nicht vorhalten. Denn auch wenn man in erster Linie andere Ziele für sein Auslandssemster hat als zu feiern und möglichst viele neue Bekanntschaften zu schließen (also sich zum Beispiel einfach akademisch fortbilden möchte), ist eine Fernbeziehung nichtsdestotrotz zweifelslos eine Herausforderung, vor allem wenn man geografische Distanz innerhalb der Partnerschaft nicht gewöhnt ist. Aber was wäre das Leben denn ohne Herausforderungen? Na eben.

Die gute Nachricht vorweg: Fernbeziehungen sind machbar. Aber man muss schon ein bisschen Arbeit investieren, wenn man möchte, dass es klappt, duh. Vor allem aber geht es darum zu lernen, mit der Situation gut umzugehen, und nicht schon vor Antritt des Auslandsaufenthaltes die Beziehung aus Angst, sie nicht aufrechterhalten zu können, zu beenden. Hier also ein paar Tipps und Tricks, wie man trotz räumlicher Distanz auch weiterhin reinen Gewissens und ohne zu lügen den Hashtag #relationshipgoals verwenden kann (kleiner Witz, bitte verschont eure Follower damit).

Beziehung Distanz


1. Aufmerksamkeit schenken

Wenn es eine „Regel“ in puncto (Fern-)Beziehungen gibt, dann diese. Sobald der persönliche und physische Kontakt auf ein Minimum reduziert ist, vergrößert sich meist die Sehnsucht. Diese kann allerdings bei dem Partnerteil, das zuhause geblieben ist, oft größer oder stärker sein als bei dem oder der WeltenbummlerIn, da letztere/r sich in einem neuen Umfeld mit vielen neuen Erlebnissen befindet. So kann es leicht passieren, dass man gar nicht dazu kommt, den Partner so richtig zu vermissen, weil das Hirn ständig damit beschäftigt ist, neue Eindrücke wahrzunehmen, während der Partner in der gewohnten Umgebung sitzt, aber ein wichtiger Teil einfach zu fehlen scheint. Das darf man nicht vergessen. Denn auch wenn man viel unterwegs ist und täglich unzählige neue Gesichter kennenlernt, und der Partner vielleicht sogar vollstes Verständnis dafür hat, sollte man ihn keineswegs vernachlässigen oder sich aggressiv rechtfertigen, wenn er oder sie seine/ihre Gefühle diesbezüglich äußert. Hier geht es gar nicht darum, ständig am Handy zu kleben oder stündlich miteinander zu skypen. Es reichen kleine Gesten, die zeigen, dass man seinen Partner (nach wie vor) wertschätzt. Einfach mal zuzuhören, wenn er oder sie von ihrem Tag berichtet (immerhin ist man selbst nicht die einzige Person, die was erlebt, das vergisst man vielleicht auch hin und wieder) oder nachts eine SMS zu schicken, die zeigt, dass man an seinen Liebling denkt. Ganz egal wie man das macht, man sollte einfach zeigen, dass man sich Mühe gibt und dass einem die Beziehung trotz Ferne am Herzen liegt.

2. Miteinander reden

Auch wenn man Punkt #1 brav einhält und sich wirklich Mühe gibt, den Partner nicht zu vernachlässigen, wird es Tage geben, an denen miese Stimmung herrscht. Mal verpasst man sich und hört einige Zeit lang gar nichts von einander, mal tauchen wieder Bedenken und Sorgen auf und wieder ein anderes Mal gibt es irgendwas Konkretes, was einen stört, aber man schafft es einfach nicht, das Problem anzusprechen. Das ist schlecht. Man sollte immer in der Lage sein, Probleme und Gefühle zu äußern und anschließend gemeinsam Lösungen auszuarbeiten. Alles in sich hineinzufressen ist nur frustrierend und wirkt sich wirklich auf jeden und alles negativ aus (also nicht nur auf das eigene Wohlbefinden, sondern auch auf das des Partners und des Umfelds). Communication is key. Und wenn man merkt, dass mit dem Partner was nicht stimmt: nachfragen. Zeit nehmen. Eventuell diskutieren. Sachlich bleiben. Sich eigene Fehler eingestehen. Einsehen, dass man sein Verhalten vielleicht anders eingeschätzt hat, als es vom Partner wahrgenommen wurde. Sich entschuldigen. Denn an solchen Gesprächen wächst eine Beziehung (vorausgesetzt, beide Beteiligten sind reif genug sich innerhalb der Diskussion respektvoll zu behandeln). Obwohl Schweigen vielleicht meist wie Gold aussieht, kann es oft tatsächlich auch nur Bronze sein. Oder so.

Kontakt pflegen wichtig


3. Alles hat ein Ende

Zugegeben, auch wenn man sich noch so respektvoll einander gegenüber verhält, Gespräche und Diskussionen können oft zu Streitereien ausarten, die einen ziemlich mitnehmen. Konflikte sind nie angenehm. Und wenn sie sich anhäufen gewinnt irgendwann das kleine Teufelchen im Kopf die Überhand und fragt uns Dinge wie „Hat es denn überhaupt noch einen Sinn weiterzumachen, wenn du dich permanent so schlecht fühlst wegen deiner Beziehung? Schaffst du das denn überhaupt? Ist es nicht doch vielleicht zu schwierig, eine Fernbeziehung zu führen?“ In solchen Momenten muss man stark sein und das Teufelchen ordentlich in den Hintern treten. Ja klar schafft man das! Man darf nie vergessen (und dieser Gedanke ist sowohl traurig als auch hilfreich zugleich), dass das Auslandssemster nicht ewig dauert, sondern man schon bald wieder nach Hause fliegt. Dieses absehbare Ende kann für eine Fernbeziehung auch recht nützlich sein, denn wenn einem warm ums Herz wird bei dem Gedanken, dass es dort jemanden gibt, der auf einen wartet und den man schon bald wieder in die Arme schließen kann, dann sollte man die Sache mit dem Handtuch-Werfen nochmal überdenken. Aufgeben ist keine Option. (Begründete und rationale Entscheidungen, die Beziehung zu beenden allerdings schon, aber das ist ein anderes Thema).

4. Es gibt kein Patentrezept

Jede Beziehung ist anders, keine ist gleich. Daher ist es extrem wichtig zu wissen, dass es keine universal anwendbaren Verhaltensregeln gibt, die immer und automatisch zum Erfolg führen. Die oben genannten Ideen sind nichts weiter als Vorschläge und Erfahrungen, die aber individuell unterschiedlich zutreffen können. Wer es gewohnt ist, seinen Partner gefühlte 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche zu sehen, der wird sich im Ausland wohl mehr Mühe geben (müssen), möglichst oft und regelmäßig in Kontakt zu bleiben, als jemand, der in einer etwas einzelgängerischen und distanzierteren Beziehung lebt. Aber man weiß wohl selbst am besten, was man tun muss, damit es klappt. Wichtig ist, dass man nicht aneinander vorbeiredet, und beide Partnerteile ähnliche Vorstellungen von der Beziehung haben und sich wohlfühlen. So gesehen ist eine Fernbeziehung gar nicht so viel schwieriger zu bewältigen als eine gewöhnliche.

Für mich kam damals nicht in Frage, die Beziehung frühzeitig zu beenden, denn ich war der festen Überzeugung, dass ein Auslandssemster nicht automatisch ein Ablaufstempel für eine gut funktionierende Beziehung ist. Im Gegenteil. Wenn alles gut läuft und man seinem Partner vertraut, dann ist ein Auslandssemster zwar eine Herausforderung und eine Art Bewährungsprobe, aber wenn man die bewältigt, dann wächst man daran und fühlt sich anschließend stärker als je zuvor.

Also. Lasst euch nichts einreden von Leuten die nicht an eure Beziehung glauben. Entweder es klappt, oder eben nicht (und dann weiß man einfach dass es nicht hätte sein sollen, auch daraus lernt man etwas). Wichtig ist, seine eigenen Träume, Auslandserfahrung zu sammeln, nicht aus Angst zu verwerfen. Angst hat man immer, aber Vertrauen und Liebe sind zweifelslos stärker. Und irgendwann würde man sich nur in den A**** beißen, bei dem Gedanken, dass man aus Angst eine so tolle Chance hat vorbeifliegen lassen.

Fernbeziehungen. Herausforderung? Ja. Unmöglichkeit? Nein! Also auf geht’s, Probieren geht über Studieren. Viel Glück‼

Kathy Z.

English & American Studies und Publizistik & Kommunikationswissenschaften Studentin an der Universität Wien.

Personal Blog: https://kathydropsaline.wordpr...

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